Belegt ist Gleichwertigkeit bei den Symptomen. Überlegenheit behauptet keine der großen Übersichtsarbeiten, in keine Richtung. Die Studienlage dahinter ist überschaubar. Zwei Übersichten vergleichen mein Verfahren direkt mit anderen, eine prüft die Kurzzeittherapie gegen Warteliste und Standardbehandlung, eine fasst das ganze Feld zusammen. Alle vier messen Symptome, die meisten an Kurzformen nach Handbuch. Daran hängt, was Kritiker aus ihnen machen, und daran setzt die Antwort der Vertreter meines Verfahrens an: beim Maßstab und bei der Dauer.
Wie alt und wie hitzig dieser Streit ist, zeigt ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt von 2006, überschrieben Therapiemethoden Verunglimpfung der Tiefenpsychologie. Sein Autor hielt der Verhaltenstherapie vor, sich zu Unrecht als überlegen darzustellen, und beanspruchte für das eigene Verfahren genügend Studien in allen Indikationsbereichen. Dieser Anspruch geht über die Belege hinaus, damals wie heute.
Steinert und Kollegen prüften 2017 im American Journal of Psychiatry 23 randomisierte Studien mit 2.751 Patientinnen und Patienten formal auf Äquivalenz, gegen eine vorab festgelegte Grenze von g = 0,25. Zum Behandlungsende lag der Unterschied bei g = -0,153 und damit darunter. Bemerkenswert ist die Methode: Vertreter beider Lager saßen gemeinsam in der Arbeitsgruppe. Unwidersprochen blieb die Arbeit nicht. Im selben Journal erschien ein Einwand von Ioana Cristea, Pim Cuijpers und Florian Naudet, überschrieben mit „Limited Supporting Evidence and Clinical Relevance”.
Die unabhängige Gegenprobe kam 2024 von Smith und Hewitt an der University of British Columbia. Sie verglichen in neun Studien manualisierte psychodynamische Therapie direkt mit manualisierter Verhaltenstherapie bei Depression und kamen zum Behandlungsende auf g = -0,11, formal äquivalent. Bei der Nachuntersuchung innerhalb eines Jahres war der Befund weder äquivalent noch verschieden; dort reicht die Datenlage für kein Urteil.
Das Cochrane-Review zur psychodynamischen Kurzzeittherapie von Abbass und Kollegen umfasst 33 Studien mit 2.173 Teilnehmenden, liegt in der Fassung von 2014 vor und stützt sich auf eine Datenbanksuche bis Juli 2012. Die Autoren mahnen wegen begrenzter Daten und großer Unterschiede zwischen den Studien zur Vorsicht.
Den Rahmen liefert eine Arbeit aus derselben Forschergruppe: Leichsenring und Kollegen werteten 2022 in World Psychiatry 102 Metaanalysen mit 650.514 Patientinnen und Patienten aus. Redekuren und Medikamente liegen dort gleichauf (0,34 gegen 0,36), im direkten Vergleich trennt sie 0,11. Die Autoren sprechen von einem Deckeneffekt der Behandlungsforschung. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) schreibt zur Depression: „Welche Verfahren in welchen Situationen am wirksamsten sind, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen.”
Eine Lücke bleibt, und sie ist groß. Gemessen wurde an Kurzformen nach Handbuch, bei Abbass an höchstens 40 Stunden. Die deutsche Richtlinienform über 60 bis 100 Stunden ist darin nicht abgebildet. In meiner Erfahrung kommen die nachhaltigsten und tiefgehendsten Veränderungen meistens im letzten Drittel der Behandlung, wenn die wesentlichen Themen vielfach durchgearbeitet wurden.