Selbsterfahrung heißt: Wer andere psychotherapeutisch behandeln will, durchläuft zuvor eine eigene Therapie. In der psychodynamischen Weiterbildung geschieht das vor allem als Einzelselbsterfahrung, auch Lehrtherapie genannt, dazu kommt ein fester Anteil in der Gruppe.
Das Wörterbuch fasst den Begriff weiter: dort ist jede Erfahrung gemeint, die ein Mensch mit sich macht. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie steht er für etwas Engeres, nämlich für einen vorgeschriebenen, in Stunden gezählten Teil der Ausbildung.
Die Approbationsordnung, die seit dem 1. September 2020 das Studium regelt, benutzt das Wort Selbsterfahrung an keiner einzigen Stelle. Der Begriff dort heißt Selbstreflexion: studienbegleitend in Seminaren und praktischen Übungen, mindestens zwei ECTS-Punkte im Masterstudium.
Zwei ECTS-Punkte sind ein Modul unter vielen. Wer wissen will, was seine Behandlerin an eigener Arbeit hinter sich hat, fragt nach der Weiterbildung. Das Studium sagt darüber wenig.