Klinisch entscheidend ist die Unterscheidung zweier Reifegrade.
Reife Abwehr, auch Verdrängungsabwehr genannt, setzt eine gefestigte Persönlichkeit voraus. Drei Beispiele: Verdrängung, bei der etwas unbewusst gemacht wird. Reaktionsbildung, bei der ein verpönter Impuls ins Gegenteil verkehrt wird. Verschiebung, bei der der Ärger nicht den Rivalen trifft, sondern den Schwächeren.
Frühe Abwehr, auch Spaltungsabwehr genannt, entsteht früher und verzerrt die Wahrnehmung stärker. Z.B.: Spaltung, bei der Menschen abwechselnd nur gut oder nur schlecht erscheinen. Projektion, bei der Eigenes bei anderen gesehen wird. Projektive Identifizierung. Sie geht häufig mit strukturellen Beeinträchtigungen einher.
Beide Formen kommen nebeneinander vor. Unter Belastung kann reifere Abwehr vorübergehend zugunsten früherer aufgegeben werden. Angesprochen wird sie in der Therapie durch Konfrontation. Therapeutisch geht es um Entbehrlichkeit, nicht um Abtraining: Abwehr wird überflüssig, wenn der dahinterliegende Konflikt bearbeitet ist oder, bei früher Abwehr, die fehlenden Fähigkeiten wachsen.