Die Funktion der Beziehungen in der Psychotherapie
Die Qualität der therapeutischen Beziehung gehört zu den stabilsten Befunden der Psychotherapieforschung, verfahrensübergreifend. Nachgewiesen ist damit ein Zusammenhang, keine Ursache: Eine gute Beziehung kann ebenso Folge einer beginnenden Besserung sein wie deren Bedingung.
In der TP ist die Beziehung mehr als eine Voraussetzung. Sie ist das Arbeitsmittel selbst: Alte Beziehungsmuster werden in ihr wieder lebendig und dadurch bearbeitbar. Konkret geschieht das in den Stunden durch Klärung und Deutung. Diese Muster zu erkennen, ohne sie auszuleben, verlangt vom Therapeuten ein hohes Maß an eigener Selbsterfahrung.
Dafür gilt das Prinzip der Abstinenz. Kühle oder Zurückhaltung galten lange als die richtige Auslegung davon. Diese Auffassung ist überholt, sie war der Behandlung eher abträglich. Abstinenz heißt: Der Therapeut nutzt die Beziehung nicht für eigene Bedürfnisse. Sein Interesse und seine Beteiligung dürfen und sollen erkennbar sein.
Dass er dabei eigene Gefühle hat, Ärger ebenso wie Zuneigung oder Ungeduld, ist unvermeidlich und sogar nützlich. Er nutzt sie, um den Patienten besser zu verstehen, ohne sie auszuleben.
Die Beziehung bleibt asymmetrisch. Eine Freundschaft ist sie nicht. Sie bleibt ein Arbeitsbündnis mit klarem Auftrag, klaren Grenzen und klarer Rollenverteilung. Gerade das macht sie sicher.