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Tiefenpsychologie bezeichnet eine Gruppe psychologischer Denkrichtungen, die unbewussten seelischen Vorgängen eine besondere Bedeutung geben. Dazu werden traditionell die Ansätze von Freud, Adler und Jung gerechnet, die sich in wichtigen Annahmen unterscheiden. Adler sieht im Machtstreben eine Krankheitsursache und setzt auf das Gemeinschaftsgefühl. Jung grenzt vom „dynamischen“ Unbewussten Freuds, das aus Verdrängung im Lebenslauf entsteht, ein „kollektives“ ab, das dem Menschen von vornherein innewohnt.
Das Wort „Tiefe“ ist ein Bild: Gemeint sind seelische Vorgänge, die nicht bewusst sind und Erleben und Verhalten trotzdem mitbestimmen, etwa Erinnerungen, Wünsche, Gefühle und Impulse.
Drei Gedanken prägen vor allem die psychoanalytische Linie Freuds, auf die sich in Deutschland zwei anerkannte Verfahren stützen. Der erste: Erleben und Verhalten entstehen, gesund wie gestört, im Zusammenwirken bewusster und unbewusster seelischer Vorgänge.
Der zweite: Gegenläufige Wünsche und Strebungen geraten in Widerstreit, zum Beispiel der Wunsch nach Nähe und die Angst, davon überwältigt zu werden. Abwehrvorgänge mindern die Angst, die ein solcher Konflikt auslöst; durch Verdrängung kann sie schließlich unbewusst werden. Abwehr läuft im Wesentlichen automatisch ab, ohne dass jemand sie bemerkt oder absichtlich einsetzt. Sie ist an sich lebenswichtig; zum Problem können ein Übermaß oder Starrheit der Abwehr werden.
Der dritte: Überdauernde Muster, mit denen sich ein Mensch zu sich selbst und zu anderen in Beziehung setzt, entstehen aus frühen Beziehungserfahrungen: Im Spiegel der anderen erwirbt er ein Bild von sich. Formen solche Muster unbewusst das Wahrnehmen, Denken und Fühlen in heutigen Beziehungen mit, heißt das Übertragung. Erkennen lässt sie sich oft daran, dass eine Reaktion zur heutigen Lage nicht recht passt. Übertragung kommt in allen Beziehungen vor und ist nichts Krankhaftes.
Jemand erzählt zum Beispiel immer wieder von der Rivalität mit Kollegen um die Gunst des Chefs. Vielleicht ist das Büro tatsächlich so umkämpft. Wirkt die Rivalität stärker, als die Lage erklärt, kann man tiefenpsychologisch fragen, ob ein älteres Muster wiederkehrt: Dahinter könnte eine Rivalität mit Geschwistern um die Eltern stehen. Das ist eine Vermutung, die man im Gespräch prüft.
Häufig begegnet der Begriff als Name eines einzelnen Verfahrens: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Die Psychotherapie-Richtlinie beschreibt das Verfahren und seine Rahmenbedingungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Behandelt wird nach der Richtlinie unter anderem die unbewusste Seite aktuell wirksamer Konflikte. Als anerkanntes Verfahren kann es auf Antrag von der Krankenkasse bezahlt werden, soweit und solange eine seelische Krankheit vorliegt.
„Psychodynamisch“ ist weiter gefasst als „tiefenpsychologisch fundiert“: Es ist der Oberbegriff für alle Anwendungen der Psychoanalyse als Psychotherapie. Der Unterschied zur Psychoanalyse hat eine eigene Seite; wie eine Sitzung abläuft, steht auf der Seite dazu, was ein Tiefenpsychologe tut.
Forschung zu psychodynamischer Therapie prüft Behandlungen: Gemessen wird, wie sich Beschwerden unter einer Therapie verändern. Eine Forschungsübersicht von Leichsenring und anderen aus dem Jahr 2023 (englisch) fand bei häufigen psychischen Störungen Erwachsener: In vier Störungsgruppen war psychodynamische Therapie wirksamer als Vergleichsbedingungen wie Warteliste oder übliche Versorgung. Laut den Autoren waren manche Studien alt und von geringer Qualität, und offen bleibt, wer von welcher Behandlung profitiert.
Wie sich die Befunde auf die deutsche Kassenbehandlung übertragen lassen, wie das Verfahren im Vergleich mit der Verhaltenstherapie abschneidet und welche Teile der Kritik an der Tiefenpsychologie berechtigt sind, prüft ein eigener Artikel.
Ich biete psychologische Beratung online an. Diagnosen und die Behandlung psychischer Erkrankungen gehören nicht dazu. Diese Beratung ersetzt keine notwendige Psychotherapie. Meine Arbeitsweise ist von der psychodynamischen Psychotherapie geprägt.
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Die Beratung ist ein Angebot für Selbstzahlerinnen und Selbstzahler. Eine Abrechnung über die Krankenversicherung biete ich dafür nicht an.