PSYCHOTHERAPIE FINDEN

PTV 11 Dringlichkeitscode

PSYCHOTHERAPIE FINDEN Von Haegermann 6 Min. Lesezeit Juli 2026

Inhalt

Ein zwölfstelliger Code entscheidet oft darüber, wie schnell es nach der Sprechstunde weitergeht. Das sogenannte PTV 11 trägt ihn, ausgestellt am Ende der psychotherapeutischen Sprechstunde.

Das Formular PTV halten alle Praxen bereit, Sie brauchen nichts selbst mitzubringen. Trägt Ihre Praxis dort ein, dass eine Behandlung zeitnah erforderlich ist, öffnet der Code den bevorzugten Weg über die Terminservicestelle.

Ohne diese Angabe bleibt das Feld leer, und dafür gibt es mehrere gute Gründe. Wer die wenigen Felder darauf kennt, verliert im entscheidenden Moment keine Zeit.

Wofür der Code steht

Der Code ist das Signal für eine bevorzugte Vermittlung: Er zeigt der Terminservicestelle, dass es eilt. Ohne ihn läuft Ihre Anfrage auf dem üblichen Weg, mit Wartelisten und wiederholten Anrufen.

Wer schon länger auf einen Platz wartet, kennt das Gefühl, immer wieder vertröstet zu werden. Die Terminservicestelle hilft im Übrigen auch bei der Suche nach der Sprechstunde selbst, dafür brauchen Sie noch gar keinen Code.

Wichtig ist dabei, was er nicht kann. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein sagt es ihren Versicherten deutlich: Sie vermittelt keine Therapieplätze, sondern Gesprächstermine. Ob daraus eine Kurz- oder Langzeittherapie wird, entscheidet sich erst vor Ort.

Mehr zum ganzen Vordruck lesen Sie im Überblick zum Formular.

Dringlichkeitscode: ein Code mit zwei Namen

Beide Bezeichnungen meinen denselben Code. Je nachdem, ob die Terminservicestelle oder die Krankenkasse mit Ihnen spricht, hören Sie mal die eine, mal die andere Version.

Entscheidend sind nicht die Worte, sondern die zwölf Stellen selbst. Fragen Sie im Zweifel gezielt nach diesem Code, das vermeidet Missverständnisse am Telefon.

Dringlich ist nicht dasselbe wie akut

Dringlich bedeutet: Eine baldige Behandlung gilt als nötig, nachdem die Sprechstunde stattgefunden hat. Das ist die Einschätzung Ihrer Therapeutin oder Ihres Therapeuten.

Akut meint etwas anderes. Die psychotherapeutische Akutbehandlung ist ein eigener Weg für schwere, akute Belastungen; sie kann direkt nach der Sprechstunde beginnen, wenn dort ein Platz frei ist.

Davon zu unterscheiden ist der Akutfall am Telefon der 116117: Wer dort anruft, wird nach einem festen Verfahren eingeschätzt, und dabei kann herauskommen, dass die Versorgung spätestens am Folgetag nötig ist. Beides heißt „akut“, gemeint sind zwei verschiedene Dinge.

Wie der Dringlichkeitscode aussieht

Zwölf Stellen aus Buchstaben und Zahlen, das ist der Code. Er wird elektronisch erzeugt, nicht von Hand geschrieben.

Seit Oktober 2025 müssen alle Anbieter von Praxisverwaltungssoftware die Funktion dafür bereitstellen; wer sie nicht nutzt, druckt den Code weiterhin über die Webanwendung der 116117 aus und klebt ihn auf den Bogen (mehr dazu bei der KBV).

Wo Sie den Code finden

Er steht auf dem Bogen, den Sie nach der Sprechstunde bekommen.

Viele Patientinnen und Patienten suchen ihn zuerst an der falschen Stelle, etwa auf einer Überweisung zum Facharzt. Das ist verständlich, denn bei anderen Facharztgruppen läuft der Weg tatsächlich über eine Überweisung, nur eben nicht hier.

Die psychotherapeutische Sprechstunde

Die psychotherapeutische Sprechstunde ist der Pflichttermin, bevor eine Behandlung beginnt. Erst nach mindestens 50 Minuten davon darf grundsätzlich etwas anderes anfangen, auch die probatorischen Sitzungen. Das dürfen ein Gespräch von 50 Minuten sein oder zwei von je 25.

Es gibt Ausnahmen, und sie sind eng gefasst. Wer wegen einer psychischen Erkrankung aus dem Krankenhaus oder aus einer Reha entlassen wird, braucht weder den Bogen noch einen Code; die 116117 vermittelt dann direkt weiter. Dasselbe gilt beim Wechsel während einer laufenden Therapie.

Am Ende trägt Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut ein, ob und wie dringend eine Weiterbehandlung nötig ist. Auf dem Bogen stehen außerdem die vorläufige Einschätzung und die Empfehlung für das weitere Vorgehen, in einer für Patientinnen und Patienten verständlichen Sprache.

Die Ausfüllhilfe der KBV verlangt sogar ausdrücklich, dass die Empfehlungen mündlich erläutert werden und Sie am Ende wissen, was Ihr nächster Schritt ist. Fragen Sie also ruhig nach.

Neben diesem Bogen begegnet Ihnen im weiteren Verlauf noch ein zweites Formular, der Konsiliarbericht, meist erst vor dem eigentlichen Antrag.

Manche, etwa die KV Bayern, nennen die Sprechstunde selbst auch psychotherapeutisches Erstgespräch, gemeint ist dasselbe Gespräch.

Und wenn der Code auf einer Überweisung stehen soll?

Für eine Behandlung bei Ihrer Psychotherapeutin oder Ihrem Psychotherapeuten gilt das nicht. Andere Fachgruppen, etwa Hautärzte oder Orthopäden, brauchen dafür eine Überweisung mit einem zwölfstelligen Code.

Die KBV nennt die Ausnahmen, für die es gar keine Überweisung braucht: Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte, Augenärzte und Gynäkologen, dazu das psychotherapeutische Erstgespräch, also die Sprechstunde.

Diese Ausnahme ist allerdings enger, als sie klingt: Ohne Code kommen Sie zu Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in die Sprechstunde, für alles danach verlangt die 116117 den ausgefüllten Bogen. Wer auf einer Überweisung danach sucht, sucht am falschen Ort.

Kein Code auf dem Bogen?

Das ist oft gar kein Fehler, und es heißt vor allem nicht, dass Ihre Sache nicht eilt. Drei Gründe sind so geregelt.

Erstens: Eine Behandlung wurde nicht als zeitnah erforderlich eingestuft. Ein Dringlichkeitscode ist nicht erforderlich, das Feld bleibt dann zu Recht leer.

Zweitens: Die Behandlung findet dort statt, wo Sie gerade waren. Dann steht auf dem Bogen ein eigener Folgetermin statt eines Codes.

Drittens: Ihre Therapeutin hat die Weiterbehandlung direkt mit einer Kollegin abgesprochen oder verweist Sie an eine Beratungsstelle. Auch dafür ist das Freitextfeld da.

Bleibt der vierte Fall: Eine Weitervermittlung ist angekreuzt, aber es steht kein Code dabei. Dann rufen Sie dort an und lassen Sie ihn nachtragen. Fragen Sie konkret, ob die Weitervermittlung über die 116117 laufen soll, ob „zeitnah erforderlich“ angegeben ist und ob der Code nur nicht mitgedruckt wurde.

So bekommen Sie damit einen Termin

Die Terminvermittlung über die 116117 kennt viele Menschen nur vom Hausarzt, für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten funktioniert sie im Kern genauso.

Online über den 116117-Terminservice

Über die 116117 geben Sie den Code ein und sehen freie Termine. Zeigt Ihnen die Suche nichts an, ist das noch nicht das Ende: Rufen Sie zusätzlich an.

Wer noch niemanden gefunden hat, kann sich außerdem bei der Suche nach einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten helfen lassen.

Telefonisch und per App

Dieselbe Nummer erreichen Sie auch telefonisch, für alle, die den Code lieber am Telefon nennen als online einzugeben. Daneben gibt es die App der 116117, die auf denselben Dienst zugreift. Die KBV nennt Patientinnen und Patienten alle drei Wege nebeneinander.

Welche Fristen gelten

Einen Termin spätestens 35 Tage nach Ihrer Anfrage schuldet Ihnen die Terminservicestelle. Das ergibt sich aus zwei Fristen: Innerhalb einer Woche muss ein erster Kontakt stehen, danach liegen bis zum eigentlichen Termin höchstens vier weitere Wochen. So rechnet es die KV Berlin vor.

Geht es um die kurzfristige Behandlung bei schweren Belastungen, ist die Frist kürzer: drei Wochen insgesamt.

Einen Anspruch auf bestimmte Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten haben Sie nicht, und ein weiterer Anfahrtsweg kann dazugehören. Meist mündet das Ganze in probatorische Sitzungen, die eigene Regeln haben.

Wie lange der Code gültig ist

Bevor Sie ihn einsetzen, ist er unbegrenzt gültig.

Erst mit der Eingabe bei der Terminservicestelle beginnt eine Frist: Findet sich innerhalb von sieben Tagen kein Termin, verliert der Code seine Gültigkeit.

Hat die Terminservicestelle Ihnen dagegen schon einen Termin vermittelt und Sie sagen ihn über die 116117 wieder ab, bleibt der Code gültig, und zwar unbegrenzt. Sagen Sie mit demselben Code zweimal ab, verfällt er endgültig, und die Anfrage beginnt von vorn.

Das bedeutet praktisch: Wer noch gar nicht aktiv sucht, gibt den Code auch noch nicht ein, die Uhr beginnt erst mit der tatsächlichen Anfrage.

Eine Einschränkung gehört dazu: Das sind technische Regeln des Buchungssystems. Ein Code, den das System noch akzeptiert, macht eine alte Einschätzung nicht wieder aktuell.

Viele Menschen kommen erst zu mir, wenn dieser Weg über die Kassen nicht funktioniert hat, und wollen dann eine Kostenerstattung beantragen.

Das Formular wird in diesem Moment zum Nachweis: Es zeigt, dass eine Sprechstunde stattgefunden hat und dass eine Behandlung zeitnah nötig ist.

Mehr zu diesem Weg lesen Sie im Beitrag zur Kostenerstattung nach diesem Formular.

Was Praxen davon haben: der Zuschlag

Für die Terminvermittlung bekommen Praxen einen Zuschlag.

Das ist eine Innensicht, die ich selbst nicht aus eigener Erfahrung kenne: Meine Praxis ist reine Selbstzahlerpraxis, ich habe nie selbst einen Code vergeben, weil dafür in einer Privatpraxis kein Anlass besteht. Was folgt, stammt aus den offiziellen Quellen.

Was Praxen dafür abrechnen

In der Abrechnung trägt er die Gebührenordnungsposition 23228, bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die 23229.

Er ist gestaffelt: Je schneller der Termin zustande kommt, desto höher der Satz, innerhalb von vier Tagen 100 Prozent, innerhalb von 14 Tagen 80 Prozent, innerhalb von 35 Tagen noch 40 Prozent.

Darüber liegen 200 Prozent für den Akutfall am Folgetag, und die gibt es nur, wenn Sie selbst bei der 116117 angerufen haben und die Einschätzung dort die Dringlichkeit bestätigt hat.

Beschlossen ist die Abschaffung dieser Zuschläge bereits. Das Gesetz gilt seit dem 30. Juli 2026, die Zuschläge selbst fallen aber erst spätestens zum 1. Januar 2027 weg. Noch gelten sie: Die KBV führt die Staffel unverändert in ihrer Übersicht.

Danach entfällt der finanzielle Anreiz, schnell einen Platz frei zu räumen. Für Sie als Patientin oder Patienten ändert sich am Ablauf nichts, das betrifft nur die Verrechnung im Hintergrund.

Häufig gestellte Fragen

Woher bekomme ich den Code?

Aus der Sprechstunde bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten. Empfiehlt sie oder er eine baldige Behandlung und soll die 116117 weitervermitteln, entsteht der Code direkt in der Software, ganz ohne Zusatzformular.

Wo genau steht der Code auf dem Bogen?

Im Abschnitt „Ihr nächster Termin“, zusammen mit den Kontaktdaten der Terminservicestelle. Ein eigenes Kästchen gibt es dafür nicht, beides wird in das Freitextfeld dieses Abschnitts geschrieben. Finden Sie den Code dort nicht, fragen Sie in der Praxis nach, bevor Sie gehen.

Wer darf das Formular ausfüllen?

Ihre Psychotherapeutin oder Ihr Psychotherapeut aus der Sprechstunde füllt es aus. Sie selbst unterschreiben nur, dass eine Kopie an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt gehen darf. Diese Unterschrift ist freiwillig; für den Inhalt sind Sie nicht verantwortlich.

Bedeutet der Bogen automatisch, dass es dringlich ist?

Nein, nur wenn das entsprechende Feld angekreuzt wurde. Nicht bei allen Patientinnen und Patienten ist das der Fall, oft reicht die reguläre Empfehlung, ohne dass Eile besteht. Fragen Sie im Zweifel direkt nach, das ist ein normaler Teil des Gesprächs.

Wie sieht der Code aus?

Zwölf Stellen aus Buchstaben und Zahlen, elektronisch erzeugt.

Bekomme ich damit einen Platz in einer Psychotherapie?

Nein. Vermittelt wird ein Gesprächstermin, entweder für die kurzfristige Behandlung oder für zeitnah erforderliche probatorische Sitzungen. Ob sich daran eine Kurz- oder Langzeittherapie anschließt, entscheidet sich erst vor Ort.

Was ist, wenn sich trotz Code kein Termin findet?

Dann ist das Verfahren noch nicht zu Ende. Kann die 116117 keinen fristgerechten Platz bei einer Kassenpraxis anbieten, muss sie Ihnen innerhalb einer weiteren Woche einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus oder einer Krankenhausambulanz anbieten. Fragen Sie danach, wenn niemand von sich aus davon anfängt.