Bei einzelnen, klar umrissenen traumatischen Erlebnissen kann EMDR oft relativ zügig wirksam werden. Bei länger zurückliegenden oder wiederholten Traumatisierungen, etwa aus der Kindheit, braucht der gesamte Therapieprozess meist jedoch deutlich mehr Zeit.
Ein zentraler Grundsatz der Traumabehandlung lautet: Bevor die eigentliche Arbeit an den belastenden Erinnerungen beginnt, muss eine ausreichende innere und äußere Sicherheit hergestellt werden. Das bedeutet:
Äußere Sicherheit: Besteht noch Kontakt zu der Person, die das Trauma verursacht hat (Täterkontakt)? Gibt es eine stabile Wohnsituation? Sind die grundlegenden Lebensverhältnisse gesichert? Solange ein Patient noch akut bedroht ist oder in äußerst chaotischen Verhältnissen lebt, ist eine Traumabearbeitung nicht sinnvoll.
Innere Stabilität: Haben Sie ausreichend Methoden, um sich selbst zu beruhigen, wenn belastende Gefühle aufkommen? Können Sie unterscheiden, ob Gefühle zur Gegenwart gehören oder alte Erinnerungen sind? Ohne diese Fähigkeiten besteht die Gefahr, durch die Therapie erneut überfordert zu werden, statt Entlastung zu erfahren.
Die Stabilisierungsphase dient genau diesem Zweck. Hier lernen Sie Techniken, um sich selbst zu beruhigen, innere Sicherheit aufzubauen und mit aufkommenden Erinnerungen besser umzugehen. Wie viel Zeit das braucht, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist neu. Die S3-Leitlinie zur Posttraumatischen Belastungsstörung hält seit Februar 2026 ausdrücklich fest, dass es für eine generell notwendige Stabilisierungsphase vor einer traumafokussierten Behandlung bei Erwachsenen keine Evidenz gibt. Stabilisierung ist also kein Pflichtprogramm, das jede Verarbeitung um Monate nach hinten schiebt. Sie ist das, was Sie brauchen, um aus einer Erinnerung wieder herauszufinden. Wie viel davon nötig ist, entscheidet Ihre Situation und nicht ein Schema, und bei früher, wiederholter Traumatisierung ist es erfahrungsgemäß mehr als bei einem einzelnen Ereignis.