Erstgespräch
50 Minuten
Wir widmen uns dem, was Sie gerade beschäftigt, und besprechen, was Ihnen weiterhelfen könnte.
Tiefenpsychologisch zu denken heißt, nach den unbewussten Anteilen eines Verhaltens in den heutigen Beziehungen zu fragen: nach Motiv, Funktion und Sinn, zum Beispiel wovor es schützt.
Jemand sagt im Beruf nie Nein, übernimmt jede Aufgabe und ist abends so erschöpft, dass zu Hause nichts mehr geht. An diesem erfundenen Beispiel lässt sich eine mögliche psychodynamische Deutung zeigen. Sie erklärt nicht allgemein, wie Erschöpfung oder andere Beschwerden entstehen.
Die erste Lesart liegt nahe: Die Erschöpfung ist zunächst eine Folge hoher Belastung. Vielleicht sind die Anforderungen tatsächlich unangemessen, vielleicht hätte ein Nein reale berufliche Nachteile. Diese Möglichkeiten sind keine Diagnosen; sie zeigen, welche Informationen der erfundene Fall nicht liefert.
Die zweite Lesart fragt, wozu das ständige Ja dient. Die Vermutung wäre, dass ein Nein Angst vor Ablehnung auslöst. Im Gespräch müsste sich erst zeigen, ob die Person das wiedererkennt und ob diese Erklärung zu ihrer heutigen Situation passt.
Ein möglicher Hintergrund reicht in die Kindheit: Wer als Kind vor allem für Leistung Anerkennung bekam und für Fehler Kritik, hält sich möglicherweise nur dann für wertvoll, wenn alles perfekt ist, und ein Nein fühlt sich dann an wie ein Fehler. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie dient die Lebensgeschichte allerdings nur als Hintergrund; im Mittelpunkt stehen die Beziehungen von heute.
Laut der Patienteninformation (PDF) der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie geht dieses Verfahren von einem oder mehreren begrenzten aktuellen Konflikten aus und setzt die dabei erlebten Gefühle in Bezug zu wichtigen früheren Erlebnissen und Beziehungsmustern.
Das Lehrbuch von Michael Ermann (Psychotherapie und Psychosomatik, 7. Auflage 2020) beschreibt für eine bestimmte Gruppe von Störungen Symptome als Folge einer Kompromissbildung zwischen Abwehr und dem abgewehrten Erleben. Abwehr meint dort einen überwiegend unbewussten Vorgang, der ein Problem aus der bewussten Wahrnehmung ausschließt. Dass die Erschöpfung im Beispiel dazugehört, wäre eine weitere Annahme. Ein weiteres Modell dafür, wie Symptome entstehen, zeigt die Seite über die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie; auch dort gilt es nicht für jedes Symptom.
Eine solche Vermutung wird im Verfahren oft als Frage oder Mutmaßung angeboten, die zum Nachdenken anregen soll. Für Deutungen, die wie ein endgültiges Urteil wirken können, fehlt die sehr intensive therapeutische Beziehung, die sie tragen würde; dieses Verfahren strebt sie nicht an.
Der folgende Gesprächsausschnitt ist erfunden.
Therapeutin: Wie sieht es bei der Arbeit gerade aus? Seit wann ist es so, und was hat sich damals verändert?
Patient: Seit zwei Kolleginnen gegangen sind, verteilt sich deren Arbeit auf die übrigen. Das ist viel.
Therapeutin: Das glaube ich. Kann es sein, dass ein Nein bei Ihnen auch Angst vor Ablehnung auslöst?
Patient: Die Angst vor Ablehnung kenne ich. Dass sie der ganze Grund ist, glaube ich nicht.
Therapeutin: Beides kann zutreffen. Wollen wir die nächste Situation, in der Sie Ja sagen, gemeinsam anschauen?
Für die Vermutung spricht, was der Patient wiedererkennt. Der reale Grund spricht nur gegen sie als einzige Erklärung. Prüfen ließe sich das an der nächsten Situation: Sagt er auch Ja, wo ein Nein nichts kosten würde, spricht das eher für die Vermutung, sonst eher für die Belastung. Hält die Vermutung, fragt das Verfahren weiter: Die Angst kennt der Patient, gesucht wird ihre unbewusste Seite. Das Lehrbuch beschreibt etwa einen Patienten, der sich von seiner Partnerin nicht abgrenzen kann, weil er seine Wünsche unbewusst als Angriff auf sie erlebt.
Das Beispiel zeigt eine Denkweise; dass eine Behandlung wirkt, belegt es nicht. Laut Ermanns Lehrbuch ist Einsicht bei diesem Verfahren nur einer von mehreren Wirkfaktoren; ebenso wirken Beziehungsfaktoren wie Zuwendung und Interesse. Wie mit solchen Mustern gearbeitet wird, beschreiben die Methoden.
Ich biete psychologische Beratung online an. Diagnosen und die Behandlung psychischer Erkrankungen gehören nicht dazu. Diese Beratung ersetzt keine notwendige Psychotherapie. Meine Arbeitsweise ist von der psychodynamischen Psychotherapie geprägt. Ich erlebe immer wieder, dass die Lösung des Problems im Problem selbst liegt, dass wir das wahrnehmen und integrieren müssen, womit wir gerade im Konflikt stehen. Veränderung braucht aber auch neue Erfahrungen und einen anderen Umgang mit realen Belastungen.
Ohne WartelistePer VideoWeltweit auf Deutsch
50 Minuten
Wir widmen uns dem, was Sie gerade beschäftigt, und besprechen, was Ihnen weiterhelfen könnte.
90 Minuten
Zeit, Ihre Situation in Ruhe zu schildern und an dem zu arbeiten, was Ihnen besonders wichtig ist.
Alle Preise sind Endpreise. Es wird keine Umsatzsteuer berechnet.
1 × 50 Minuten
Ein weiterer Blick auf ein aktuelles Anliegen. Oder ein Gespräch von Zeit zu Zeit.
5 × 50 Minuten
Ein Thema vertiefen, Erfahrungen aus dem Alltag aufgreifen und gemeinsam prüfen, was Ihnen hilft.
10 × 50 Minuten
Regelmäßige Begleitung über eine längere Lebensphase, mit Raum für neue Entwicklungen.
Die Pakete umfassen ausschließlich Gespräche von jeweils 50 Minuten. Das Erstgespräch wird separat gebucht und berechnet. Passt die Zusammenarbeit für Sie nicht, erstatte ich Ihnen den Betrag für die verbleibenden Paketgespräche.
Ein kostenpflichtiges Beratungsgespräch von 50 oder 90 Minuten. Wir lernen uns kennen und arbeiten bereits an Ihrem Anliegen. Sie entscheiden danach, ob Sie weitere Gespräche wünschen.
Sie können es bei einem einzelnen Gespräch belassen oder weitere Termine einzeln buchen. Ein Paket ist eine zusätzliche Möglichkeit, wenn Sie sich für mehrere Gespräche entschieden haben.
Sie müssen nichts ausformulieren. Wenn Sie möchten, notieren Sie, was Sie beschäftigt und was Sie sich vom Gespräch wünschen. Für den Videoanruf brauchen Sie einen ungestörten Ort, eine stabile Internetverbindung sowie Kamera und Mikrofon.
Vor dem ersten kostenpflichtigen Gespräch erhalten Sie die Informationen zu Leistung, Honorar, Zahlung, Terminabsagen und Vertraulichkeit, dazu den Umgang mit persönlichen Daten und die Beendigung der Zusammenarbeit.
Die Beratung ist ein Angebot für Selbstzahlerinnen und Selbstzahler. Eine Abrechnung über die Krankenversicherung biete ich dafür nicht an.