Die leere Stuhl-Technik und die Zwei-Stuhl-Technik
Zwei Stühle, zwei verschiedene Werkzeuge. Auf dem einen sitzt jemand, der nicht da ist, auf dem anderen zwei Seiten im selben Menschen.
Ein leerer Stuhl steht für ein Gegenüber, das gerade fehlt: ein Elternteil, eine frühere Partnerin, ein Verstorbener, manchmal auch nur eine ungelöste Beziehungserfahrung ohne klares Gesicht. Der abwesende Mensch entsteht auf der Projektionsfläche des leeren Stuhls und wird direkt angesprochen, in der Gegenwartsform. Es geht darum, vor sich selbst und auch vor anderen einzugestehen, wie es innerlich wirklich aussieht.
Die Zwei-Stuhl-Technik klingt nach demselben Werkzeug und meint etwas anderes. Auf dem zweiten Platz sitzt niemand von außen, sondern eine zweite Seite im selben Menschen. Das kann eine Ambivalenz sein, bleiben oder gehen, nachgeben oder für sich einstehen. Es kann aber ebenso ein innerer Kritiker sein, der auf den verletzten Anteil trifft, oder eine Seite, die dem eigenen Gefühl den Ausdruck verbietet.
Das Wörterbuch der American Psychological Association fasst beides unter dem leeren Stuhl zusammen und vermerkt, die Technik werde inzwischen manchmal auch Zwei-Stuhl-Technik genannt. Wer beides gleichsetzt, folgt also der weiteren Lesart. Für das Verständnis zählt ohnehin weniger die Zahl der Sitzgelegenheiten als die Aufgabe, um die es geht. Das gilt auch für eine Gestalttherapie online, wo zwei Plätze vor der Kamera genügen.