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Trauma verarbeiten mit EMDR. Wie eine Traumabehandlung bei PTBS abläuft

VERFAHREN Von Haegermann März 2026

Inhalt

Manche negativen Erfahrungen lassen uns nicht los. Sie heilen nicht von selbst. Sie brennen sich ein; in Bilder, die unvermittelt auftauchen; in einen Körper, der dauerhaft angespannt bleibt. Positive Gefühle finden in dieser inneren Enge kaum noch Raum. Das ist keine Schwäche, sondern die Reaktion eines Nervensystems, das im Alarmzustand feststeckt.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) gehört nach meiner Erfahrung zu den wirksamsten Ansätzen in der Traumatherapie. Die Methode nutzt Augenbewegungen, um belastende Erinnerungen nachträglich zu verarbeiten. In meiner Praxis habe ich oft erlebt, wie diese Arbeit etwas Grundlegendes verändert: Was geschehen ist, bleibt Teil der eigenen Geschichte, aber es verliert seine Macht über das gegenwärtige Erleben.

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Auslöser
Ein Geräusch, ein Bild, ein Geruch oder eine Situation erinnert innerlich an das Trauma.
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Alarmreaktion
Der Körper reagiert, als wäre die Gefahr wieder da: Anspannung, Herzklopfen, Erstarren oder innere Unruhe.
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Schutzversuche
Vermeidung, Kontrolle oder Rückzug können kurzfristig entlasten, halten die Angst aber manchmal aufrecht.
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Traumatherapie
In einem sicheren Rahmen kann das Erlebte schrittweise eingeordnet werden, damit die Erinnerung weniger überwältigend wird.

Wenn ein Trauma zur PTBS wird

PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) ist eine Störung, die nach einem traumatischen Ereignis auftreten kann, etwa nach einem militärischen Einsatz, einem medizinischen Eingriff, einem sexuellen Übergriff oder einer Naturkatastrophe. Auch schwere Unfälle, körperliche Gewalt oder der plötzliche Verlust eines nahestehenden Menschen können Auslöser sein. Menschen mit PTBS erleben oft eine Reihe belastender Symptome, die sich in vier Bereiche einteilen lassen:

Wiedererleben: Das traumatische Ereignis drängt sich immer wieder auf, durch plötzliche, lebhafte Erinnerungsbilder (sogenannte Flashbacks), Alpträume oder intensive körperliche Reaktionen, wenn etwas an das Erlebte erinnert. Dabei fühlt es sich oft so an, als würde das Ereignis in diesem Moment wieder passieren.

Vermeidung: Betroffene versuchen, allem aus dem Weg zu gehen, was sie an das Trauma erinnern könnte: bestimmten Orten, Menschen, Aktivitäten oder auch Gesprächen über das Erlebte.

Veränderungen in Gedanken und Stimmung: Viele Betroffene entwickeln negative Überzeugungen über sich selbst oder die Welt („Ich bin schuld“, „Niemandem kann man vertrauen“). Häufig kommt es auch zu einer emotionalen Taubheit, einem Gefühl der inneren Leere.

Übererregung: Der Körper befindet sich in einem ständigen Alarmzustand. Das zeigt sich durch Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme. Es ist, als würde das Nervensystem ständig auf der Hut vor neuen Gefahren sein, auch wenn objektiv keine Bedrohung besteht.

Häufig entwickelt sich zusätzlich eine depressive Symptomatik mit Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Wirksame Methoden der Traumatherapie

Es gibt heute gut erforschte und wirksame Behandlungsmethoden für PTBS. Zu den wichtigsten gehören:

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): eine Therapieform, bei der belastende Erinnerungen mithilfe von Augenbewegungen verarbeitet werden (mehr dazu unten).

Traumafokussierte Verhaltenstherapie: verschiedene Verfahren, bei denen die belastenden Erinnerungen behutsam bearbeitet werden, um ihre emotionale Wucht zu verringern.

Körperorientierte Verfahren wie Somatic Experiencing: hier steht die Arbeit mit den körperlichen Reaktionen auf das Trauma im Vordergrund.

Medikamente: insbesondere bestimmte Antidepressiva (sogenannte SSRIs), wie z.B. Sertralin, können die Symptome lindern und die psychotherapeutische Arbeit unterstützen. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine Psychotherapie, sondern eine mögliche Ergänzung.

Unterstützend können auch Methoden wie Yoga, Meditation oder Atemübungen hilfreich sein. Sie fördern die Körperwahrnehmung und helfen, das Nervensystem zu beruhigen.

Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte mit, und es braucht oft etwas Geduld, um eine passende Psychotherapeutin zu finden. Eine gute therapeutische Begleitung berücksichtigt Ihre persönliche Geschichte und Ihre individuellen Bedürfnisse.

Wenn traumatische Erlebnisse mit frühen Verletzungen, inneren Konflikten oder wiederkehrenden Beziehungsmustern verknüpft sind, verschafft tiefenpsychologisches Verstehen einen weiteren Zugang.

Warum EMDR wirkt und warum ich die Methode schätze

Als Psychotherapeut ist es eine erfüllende Erfahrung zu sehen, wie Menschen Fortschritte machen. Daher bin ich ein starker Befürworter von EMDR. Oft zeigen sich Veränderungen erstaunlich rasch.

Bei einem Trauma wird das Erlebte nicht wie eine normale Erinnerung im Gedächtnis abgelegt. Stattdessen bleiben Bilder, Geräusche, Körperempfindungen und Gefühle unverarbeitet, wie Puzzleteile, die nie zu einem Bild zusammengefügt wurden. Wenn später etwas an das Erlebte erinnert, werden diese Bruchstücke aktiviert, und es fühlt sich an, als wäre man wieder mittendrin.

EMDR hilft dem Gehirn, diese Erfahrungen nachträglich zu verarbeiten und einzuordnen. Ziel ist es, dass die Erinnerung bleiben darf, ohne die Gegenwart zu überwältigen. Sie gehört zur eigenen Geschichte, bestimmt das Erleben im Hier und Jetzt jedoch nicht mehr.

Sollten Sie Interesse an einem Beratungsgespräch oder einer Behandlung haben, können Sie auf der Startseite sehen, was ich als Online Psychotherapeut weltweit anbiete.

Wie eine Sitzung abläuft

Bei EMDR werden zunächst die belastende Erinnerung und die damit verbundenen Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen besprochen und behutsam aktiviert.

Dann folgt der zentrale Teil der Methode: Während Sie sich die belastende Szene vor Augen führen, folgen Sie mit den Augen den Fingerbewegungen des Therapeuten. Diese Technik wird duale Aufmerksamkeit genannt. Sie sind gleichzeitig mit der Erinnerung an das Vergangene beschäftigt und bleiben durch die Augenbewegungen im sicheren Hier und Jetzt verankert.

Man kann es sich so vorstellen: Sie stehen mit einem Fuß in der Vergangenheit und mit einem Fuß in der sicheren Gegenwart. Dadurch können Sie sich der belastenden Erinnerung stellen, ohne von ihr überwältigt zu werden.

Wichtig zu wissen: Sie verlieren dabei nicht die Kontrolle. Im Gegenteil, Sie lernen, auch belastende Erinnerungen aus einer sicheren Position heraus zu betrachten. Die gleichzeitige Beschäftigung mit der Erinnerung und den Augenbewegungen hilft dem Gehirn, die belastende Erfahrung neu zu verarbeiten und einzuordnen.

Nach und nach verliert die Erinnerung ihre emotionale Wucht. Das Erlebte wird zu einer Erfahrung der Vergangenheit, die Sie betrachten können, ohne davon überwältigt zu werden.

Ruhiges türkisblaues Meer mit Inseln und Segelboot als Bild für die Ruhe, die nach einer EMDR-Behandlung wieder möglich wird.

Stabilität herstellen und warum das so wichtig ist

Bei einzelnen, klar umrissenen traumatischen Erlebnissen kann EMDR oft relativ zügig wirksam werden. Bei länger zurückliegenden oder wiederholten Traumatisierungen, etwa aus der Kindheit, braucht der gesamte Therapieprozess meist jedoch deutlich mehr Zeit.

Ein zentraler Grundsatz der Traumabehandlung lautet: Bevor die eigentliche Arbeit an den belastenden Erinnerungen beginnt, muss eine ausreichende innere und äußere Sicherheit hergestellt werden. Das bedeutet:

Äußere Sicherheit: Besteht noch Kontakt zu der Person, die das Trauma verursacht hat (Täterkontakt)? Gibt es eine stabile Wohnsituation? Sind die grundlegenden Lebensverhältnisse gesichert? Solange ein Patient noch akut bedroht ist oder in äußerst chaotischen Verhältnissen lebt, ist eine Traumabearbeitung nicht sinnvoll.

Innere Stabilität: Haben Sie ausreichend Methoden, um sich selbst zu beruhigen, wenn belastende Gefühle aufkommen? Können Sie unterscheiden, ob Gefühle zur Gegenwart gehören oder alte Erinnerungen sind? Ohne diese Fähigkeiten besteht die Gefahr, durch die Therapie erneut überfordert zu werden, statt Entlastung zu erfahren.

Die erste Phase der Traumabehandlung, die Stabilisierungsphase, dient genau diesem Zweck. Hier lernen Sie Techniken, um sich selbst zu beruhigen, innere Sicherheit aufzubauen und mit aufkommenden Erinnerungen besser umzugehen. Diese Phase kann je nach Situation einige Wochen, aber auch Monate dauern. Sie ist keine Verzögerung der „eigentlichen“ Therapie, sondern ihr unverzichtbares Fundament.

Erst wieder hier und jetzt ankommen

Bei starker innerer Alarmreaktion hilft oft zuerst Orientierung: Was sehe ich, höre ich, spüre ich gerade in diesem Moment?
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5 Dinge sehen, 4 Dinge fühlen, 3 Dinge hören, 2 Dinge riechen, 1 Sache schmecken oder bewusst wahrnehmen.
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Warnzeichen erkennen

Was merke ich zuerst: Körper, Gedanken, Bilder, Impulse?
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Körper beruhigen

Langsam atmen, Füße spüren, kaltes Wasser, sicheren Ort aufsuchen.
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Kontakt nutzen

Eine vertraute Person, therapeutische Unterstützung oder Krisenhilfe kontaktieren.
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Nächster kleiner Schritt

Nicht das ganze Leben lösen. Nur den nächsten sicheren Schritt finden.

Weitere Anwendungsgebiete

EMDR hat sich nicht nur bei der Behandlung von PTBS bewährt, sondern zeigt auch vielversprechende Ergebnisse bei Angststörungen und Depressionen. In Deutschland ist EMDR bei Erwachsenen mit PTBS als psychotherapeutische Methode anerkannt und von vielen Fachgesellschaften empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine EMDR-Therapie?

Das hängt von der Art und Schwere der Traumatisierung ab. Bei einem einzelnen, klar umrissenen Ereignis zeigt die Traumabehandlung mit EMDR manchmal schon nach wenigen Sitzungen deutliche Wirkung. Bei komplexen oder frühen Traumatisierungen braucht der gesamte Prozess, einschließlich der Stabilisierungsphase, deutlich mehr Zeit. Jeder Patient bringt eine eigene Geschichte mit, und die Therapiedauer richtet sich nach dem individuellen Verlauf.

Was passiert bei den Augenbewegungen genau?

Die Augenbewegungen bei Traumata sind eine Form der bilateralen Stimulation. Der Therapeut führt die Finger rhythmisch von links nach rechts, und der Patient folgt mit den Augen. Dieser wechselseitige Reiz beider Gehirnhälften unterstützt die natürliche Informationsverarbeitung und hilft dabei, die Bruchstücke traumatischer Erinnerungen nachträglich einzuordnen. Es gibt Hinweise darauf, dass dieser Mechanismus den Prozessen im REM-Schlaf ähnelt, in dem das Gehirn Erlebnisse des Tages verarbeitet.

Ist EMDR wissenschaftlich anerkannt?

Ja. Die EMDR-Therapie ist eines der am besten erforschten Verfahren in der Behandlung von Traumata. Sie wird unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Bundesärztekammer empfohlen. Zahlreiche kontrollierte Studien belegen, dass EMDR wirkt und bei posttraumatischen Belastungsstörungen vergleichbare oder bessere Ergebnisse erzielt als andere evidenzbasierte Verfahren.

Kann EMDR auch online stattfinden?

Ja. Die bilaterale Arbeit lässt sich auch in der Online-Therapie umsetzen, etwa durch horizontale Bewegungen auf dem Bildschirm oder durch die selbst ausgeführte Butterfly-Technik, bei der man sich abwechselnd auf beide Oberarme klopft. Mancher Patient empfindet die vertraute Umgebung des eigenen Zuhauses sogar als zusätzlich stabilisierend, und EMDR verliert dadurch nichts von seiner Wirkung.

Was ist ein unverarbeitetes Trauma?

Ein unverarbeitetes Trauma entsteht, wenn das Erlebte nicht wie eine normale Erinnerung im Gedächtnis abgelegt wird. Stattdessen bleiben Bruchstücke im Nervensystem gleichsam eingefroren: Bilder, Geräusche, Körperempfindungen. Traumatische Erinnerungen werden dann bei bestimmten Auslösern reaktiviert, als würde das Ereignis gerade wieder geschehen. EMDR basiert auf der Erkenntnis, dass das Gehirn diese Verarbeitung unter den richtigen Bedingungen nachholen kann.

Für wen ist eine Traumabehandlung mit EMDR nicht geeignet?

Nicht jeder Patient ist zum aktuellen Zeitpunkt für eine direkte Traumabearbeitung bereit. Wenn die äußere Sicherheit nicht gewährleistet ist, akute psychotische Symptome vorliegen oder eine schwere Suchterkrankung die Stabilität gefährdet, muss zunächst an diesen Themen gearbeitet werden. Die Entscheidung, wann der richtige Zeitpunkt für die Traumabehandlung gekommen ist, treffen Therapeut und Patient gemeinsam.

Gerade dann ist es wichtig, eine therapeutische Begleitung zu finden, bei der Sie sich fachlich und menschlich gut aufgehoben fühlen.