Beim klassischen Zwang steht ein Konflikt im Hintergrund: Verpönte Impulse, sexuelle ebenso wie rivalisierende oder selbstbehauptende, treffen auf ein Gewissen, das als fremd und gegen die eigene Person gerichtet erlebt wird. Reaktionsbildung und Affektisolierung – Verkehren in sein Gegenteil, Trennung von Gedanke und Gefühl – sowie Ungeschehenmachen halten diesen Konflikt unbewusst. Das sind Abwehrmechanismen.
Bei schwerer strukturierten Störungen ist es anders. Hier gibt das Ritual Halt und schützt vor dem Gefühl innerer Auflösung. Deutungen, die auf einen Konflikt zielen, wirken dann destabilisierend. Nötig sind stützende, strukturstärkende Interventionen.
Diese Unterscheidung entscheidet über die Behandlung, und sie entscheidet auch über die Aussichten: Die erste Form lässt sich psychodynamisch deutlich erfolgreicher behandeln als die zweite.