Gestalt Therapie Veränderung durch Bewusstheit im Hier und Jetzt
Die Gestalt Therapie geht davon aus, dass echte Veränderung durch Bewusstheit entsteht. Wenn wir klarer wahrnehmen, was wir gerade fühlen, denken und tun, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Die Gestalt Therapie richtet den Blick auf Anteile unserer Erfahrung, die wir oft übergehen, vermeiden oder nur verschwommen spüren.
Veränderung wird dabei nicht erzwungen. Sie entsteht von selbst, wenn wir uns dem zuwenden, was bereits da ist, es wahrnehmen, zulassen und akzeptieren.
Wie wir zu dem werden, was wir sind
Die guten und schwierigen Erfahrungen unserer Kindheit prägen, wie wir heute fühlen, denken und mit anderen umgehen. Als Kinder passen wir uns an unsere Umgebung an und lernen, welche Gefühle akzeptiert werden und welche Bedürfnisse Platz haben dürfen.
Aus solchen Erfahrungen entwickeln sich Gewohnheiten im Fühlen und in Beziehungen. Einige Beispiele:
- Starke Gefühle sollte ich lieber nicht zeigen.
- Meine Bedürfnisse sind zu viel für andere.
- In Konflikten ist es sicherer, nichts zu sagen.
- Wenn ich Schwäche zeige, werde ich verletzt.
Diese inneren Überzeugungen sind selten bewusst formuliert. Sie prägen sich dennoch ein und beeinflussen unser Selbstbild und unsere Erwartungen an andere.
Muster, die uns heute einengen können
Mit der Zeit werden frühe Anpassungen zu festen Mustern. Sie bestimmen, wie nah wir Menschen an uns heranlassen, wie wir mit Konflikten umgehen und wie wir für uns sorgen. Viele dieser Muster hatten ursprünglich eine Schutzfunktion und haben uns als Kindern geholfen.
Schwierig wird es dort, wo alte Muster nicht mehr zu neuen Lebenssituationen passen. Wenn Traurigkeit da ist, aber nicht gefühlt werden darf. Wenn Ärger spürbar ist, aber nicht gezeigt werden darf. Wenn ein Wunsch nach Nähe da ist, aber gleichzeitig Angst vor Abhängigkeit besteht.
Innere Konflikte und ihre Folgen
Belastungen entstehen oft, wenn verschiedene Anteile in uns in unterschiedliche Richtungen ziehen. Solche Spannungen können zu seelischen und körperlichen Symptomen führen.
Zu den Symptomen, die häufig mit inneren Konflikten zusammenhängen, gehören:
- Erschöpfung und innere Leere
- Angststörungen und dauerhafte Anspannung
- depressive Stimmung und Antriebslosigkeit
- körperliche Beschwerden ohne medizinischen Befund
- Schwierigkeiten in Beziehungen
- Gefühl von Überforderung
Symptome als Kompromisslösungen
In der Gestalt Therapie werden Symptome als Versuche verstanden, mit innerer Spannung umzugehen. Die Seele wählt beispielsweise lieber Erschöpfung, als unterdrückte Gefühle zuzulassen. Angst kann entstehen, wenn vermiedene Konflikte nicht ausgetragen werden. Körperliche Beschwerden können die Folge von chronischem inneren Druck sein.
Was in der Gestalt Therapie geschieht
In der Gestalt Therapie geht es darum, die Aufmerksamkeit auf das aktuelle Erleben zu richten. Statt die Vergangenheit ausführlich zu analysieren, wird der Fokus auf gegenwärtige Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken und Reaktionen gelegt.
Sie werden eingeladen zu bemerken, was Sie im Körper spüren, welche Gefühle gerade da sind, welche Gedanken auftauchen und wie Sie im Kontakt mit mir reagieren. Diese Bewusstheit macht innere Konflikte und wiederkehrende Muster verständlicher und greifbarer.
Erleben statt nur Erklären
Gestalt Therapie ist erlebnisorientiert. Verstehen entsteht nicht nur durch Reden über Probleme, sondern durch unmittelbares Erfahren im Hier und Jetzt. Manchmal werden einfache Übungen genutzt, um Gefühle, innere Dialoge oder offene Situationen zu erkunden.
Alles geschieht in Ihrem Tempo und nur so weit, wie es sich sicher und stimmig anfühlt. Die therapeutische Beziehung ist dabei geprägt von Offenheit, Respekt und Zusammenarbeit.
Viele Menschen erleben durch Gestalt Therapie mehr Selbstwahrnehmung, emotionale Klarheit und einen stärkeren Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und Grenzen.
Ziel der Therapie: Von Bewusstheit zu mehr Freiheit
Es geht darum, mehr Bewusstheit für sich selbst zu entwickeln und die eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser zu akzeptieren. Sobald unbewusste Muster fühlend verstanden und angenommen sind, lockert sich der Griff, den diese Muster auf einen haben.
Aus dem tiefen Verständnis dafür, wer ich bin, entsteht die Freiheit anders zu sein, anders zu denken, zu fühlen und zu handeln. Wer lernt, dem eigenen Erleben präsenter zu begegnen, statt es zu vermeiden, gewinnt oft mehr innere Balance und Lebendigkeit im Alltag